Festhalten oder Loslassen?

Warum halten wir eigentlich so lang fest?

Vorab: Festhalten ist etwas Wunderbares. Es gibt Sicherheit und Halt. Warum solltest Du Dich auch von etwas lösen, was sich bewährt hat, hilfreich für Dich ist, Dich stärkt, Freude schenkt und gut tut?

Es gibt aber eben auch Dinge, die Dir nicht mehr gut tun. Und auch dann kannst Du natürlich weiter festhalten, denn es bleibt Deine Entscheidung, ob Du Deine Situation verändern willst. Aber selbst wenn wir soweit sind, dass wir etwas verändern wollen, warum tun wir uns so schwer, etwas loszulassen, was uns einfach nicht mehr gut tut?

Ich erzähle Dir jetzt mal die 5 häufigsten Gründe, die ich so in meinen zahlreichen Beratungsgesprächen höre, wenn es um schwerwiegende Loslass-Themen geht, wie z. B. um eine Beziehung, einen Beruf oder es darum geht, andere Lebenssituationen zu verlassen.

 

Grund #1 Ich bin halt ein Sicherheitsmensch.

Natürlich haben wir alle den angeborenen Sicherheitsreflex. Schon als Baby hast du den Finger, den Du fassen konntest fest mit Deiner Faust umschlossen. Sicher ist sicher! Das ist also ein Reflex. Doch je mehr Du Dein Sicherheitsbedürfnis in Gesprächen weiter bestärkst, desto mehr werden daraus selbstprophezeiende Erfüllungen. Gerne noch schön manifestiert mit dem Satz: „Es ist halt so, da kann man nichts machen…“ Damit wird eine mögliche Veränderung gleich abgeschmettert und die Verantwortung weggeschoben.

Grund #2 Das fühlt sich wie Scheitern an

Vielleicht hast Du aber auch, wie die meisten Menschen Angst vor dem Loslassen, weil Du Angst vor schmerzhaften Gefühlen hast, die damit verbunden sein könnten. Bei Loslassen assoziieren wir häufig zuerst einen schmerzhaften Abschied, einen großen Verlust oder Verzicht. Wir weigern uns dann allzu oft, die Dinge zu sehen, wie sie wirklich sind und reden uns die Situation weiter schön, sehen lieber nicht so tief dahin und verharren so in unserer Vorstellung von einer besseren Zukunft, die irgendwann eintreten soll. Irgendwann.

Grund #3 Ich weiß nicht, wie es dann weitergehen soll

Kennst Du solche Sätze von Freunden? Es ist nicht so sehr der konkrete Weg der fehlt, sondern es fehlt an Zuversicht in die Entwicklung der Zukunft. Wir scheuen uns eine Phase der Leere, des Nicht-Wissens und der Veränderung überhaupt auszuhalten. Oft sogar gepaart mit der Angst, dass es nach dem Loslassen eher schlimmer als besser um uns steht. Vielleicht aufgrund früherer Erfahrungen. Jene, die offen für Möglichkeiten und Unbekanntes sind, tun sich da leichter.

Grund #4 Was, wenn es die falsche Entscheidung war und ich es bereue?

Du hast Dich vielleicht auch schon mal so entschieden, dass die Konsequenzen dann richtig ätzend waren. Diese Erfahrung wird dann eher als Fehler anstelle Lernerfahrung unbewusst abgespeichert. Für die Zukunft werden ähnlichen Situationen unbewusst lieber vermieden. Sich lieber nicht zu entscheiden und zu verharren ist eine ganz weit verbreitete Methode der Angst vor Misserfolg zu entgehen. Da die meisten von uns nicht in die Zukunft sehen können, haben wir große Angst, dass der neu eingeschlagene Weg die Erwartungen womöglich nicht sicher erfüllt. Und wenn wir dennoch loslassen, fühlen wir uns mies, haben mega Schuldgefühle und ein schlechtes Gewissen. Wir werden unseren eigenen Erwartungen einfach nicht gerecht oder erfüllen nicht die Erwartungen, die einmal in uns gesteckt wurden. Das können zermürbende Gefühle sein, die wie Mühlsteine unseren Weg erschweren.

Grund #5 Es gibt nur das Wort-Case Szenario

Denk einmal, es geht z. B. um die Beziehung. Viele die ich spreche haben gleich die Trennung vor Augen und Angst davor. Wir sehen all die Zwischenschritte nicht, die Loslassen auch bedeuten können: Loslassen kann heißen, alte Vorstellungen über das Funktionieren der Partnerschaft zu überdenken. Loslassen könnte auch heißen, nicht alles mit sich allein auszumachen, sondern eine Beratung hinzuzuziehen. Manchmal kann es heißen, sich eine Weile mehr Zeit für sich einzuräumen, eine vorübergehende räumliche Distanz oder Abstand. Das kann wieder andere Ängste triggern, z. B. Verlustangst, Angst sich der Kritik und Missbilligung anderer auszusetzen, Angst vor Ablehnung. Wir kommen so gar nicht in die Lage, individuelle Lösungen zu suchen.

 

In meinen Gesprächen und aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass es enorm hilfreich ist, bei entscheidenden Lebensfragen jemanden zu haben, mit dem wir über diese Ängste und Zweifel reden können. Doch jemanden, der uns nahe legt, in uns selber die Antwort zu finden anstelle einen bloßen Ratschlag. In meinen Coachings ist daher die Anbindung an unsere ureigene Kraft und Intuition schon ein riesiger Meilenstein. Wir können die Antworten in uns finden und wir können ihnen vertrauen. Wir können uns sogar von unserem höheren Selbst und aus der geistigen Welt beraten lassen zu allen Themen, die uns wichtig sind, wenn wir einmal den Zugang dazu finden. Das ist für viele ein sehr bewegender Moment tieferen Wissens.

Das was es braucht, sind im Grunde nur 8 Schritte:

Innehalten

Still werden

Leer machen

Hin fühlen

Lauschen

Empfangen

Vertrauen

Handeln.

Doch genau diese Schritte werden durch Erschöpfung, Stress und der schnelllebigen Zeit aktuell sehr erschwert. Und sie werden zudem von uns selbst, von unserem Kopfzerbrechen, innerem Zer-Denken, gedanklichen Hin-und-Her-wälzen und Zweifeln sabotiert.

Wer wirklich bereit ist loszulassen, was nicht mehr glücklich macht, der lässt einen gelebten Lebensabschnitt hinter sich, um sich neuen Möglichkeiten zu öffnen. Denn wer loslässt, hat Kopf und Hände frei.

Und wenn Du mal 2 Minuten Zeit für eine kurze Achtsamkeitsübung hast, dann empfehle ich Dir meine kleine Gratis-Meditation zum Thema Loslassen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.