Visionen beginnen leise
Erst kürzlich sagte eine Freundin zu mir:
„Wenn ich mehr Zeit hätte, würdest du hier eine ganz andere Version von mir sehen.“
Sie erzählte davon, wie sie sich ihre Kleidung selbst nähen würde – bunt, leger, frei. Kleidung, in der sie sich wirklich wohlfühlt. Pumphose, weites Oberteil, ganz egal, was andere sagen.
Hörst du darin den Traum? Die neue Version? Die Vision?
Und doch weiß sie, dass sie ihre Zeit weiterhin für andere opfern wird. Weil da Verantwortung ist. Die Familie braucht sie gerade. Der Job fordert sie. Die Nebentätigkeit ebenso.
So viele von uns sind eingebunden in Verpflichtungen, Erwartungen – die der anderen und die an uns selbst. Zeit für uns bleibt kaum. Und wenn doch, sind es kleine Pausen, in denen wir versuchen, unseren inneren Akku gerade so weit aufzuladen, dass wir weitermachen können.
Kein Wunder, dass sich irgendwann Frustration einstellt. Eine diffuse Leere. Das leise, aber hartnäckige Gefühl, selbst zu kurz zu kommen.
Trittst du einen Schritt zurück, siehst du vielleicht das Hamsterrad.
Und darin eine Frau, die langsam leerläuft – weil sie ihre eigenen Bedürfnisse hinten an stellt.
Dabei trägt sie in sich eine Vision, die sie noch nicht lebt.
Was wäre, wenn sie einen Nähkurs belegt?
Wenn sie beginnt, sich selbst individuelle, schöne Kleidung zu nähen – und ihre Ideen so gut ankommen, dass andere Frauen ebenfalls solche Stücke tragen möchten?
Was, wenn daraus eine Gemeinschaft entsteht, ein Raum für Austausch, Freude, Kreativität?
Es geht nicht immer darum, aus einer Vision ein Business zu machen.
Es geht darum, einen Beitrag in die Welt zu bringen, der unseren ganz eigenen Fingerabdruck trägt.
Und selbst wenn es im Moment richtig ist, die eigenen Bedürfnisse zurückzustellen, um für die Familie da zu sein, dann darf dies bewusst geschehen – im Wissen, dass es eine Phase ist. Keine Dauerlösung.
Dafür braucht es Ehrlichkeit mit uns selbst. Den Mut, zurückzublicken und zu fragen:
Wie war es bisher?
Wie viel Zeit habe ich wirklich meinen Herzenswünschen gewidmet?
Kenne ich sie überhaupt?
Denn Herzenswünsche sind selten rein materiell. Sie tragen die Signatur von innerer Zufriedenheit, von Sinn und Erfüllung.
Die Visionärin vereint die Fähigkeit, neben der rationalen Welt mit ihren Fakten und sichtbaren Gegebenheiten in eine tiefere Dimension einzutauchen. Sie spürt, dass sich hinter der verstandesorientierten Oberfläche eine weitere Wirklichkeit verbirgt – eine, die über das Offensichtliche hinausweist, hin zu etwas Größerem. Dieser weibliche Anteil in dir lässt dich fühlen, wann es Zeit ist, dich in deinen heiligen inneren Raum zurückzuziehen, um aus einer tieferen Quelle zu schöpfen. Um Kraft zu sammeln. Oder um eine Vision zu empfangen (nach Holitzka, 2010).
Wenn du magst, dann komm deinen Herzenswünschen auf die Spur.
Frage dich:
Was ist meine Vision?
Wie viel Raum gebe ich ihr?
Was trage ich zu ihrer Verwirklichung bei?
Vielleicht zeigt sie sich im Gefühl eines Stoffes, in einem Muster, das dich ruft. In einem Kleidungsstück, das du mit Liebe erschaffst. Oder auf eine ganz andere, kreative Weise – immer dann, wenn du ganz du selbst bist.
Überlasse dich dem Zauber deiner Träume, deiner Visionen und deiner magischen Kräfte.
Und wenn sie nach Verwirklichung drängen, dann verbinde sie mit deinem Realitätssinn. Schenke ihnen etwas Raum und Atem. Es ist Zeit, die inneren Schubladen zu öffnen: die unfertigen, unperfekten, ungeschliffenen Potenziale liebevoll zu betrachten – damit sie beflügelt werden. Um so, Schritt für Schritt, deine Welt zu verändern.